Legende.

Wunderblut und Wallfahrt

Im Sommer 1383 wurde Wilsnack zum Schauplatz wundersamer Ereignisse, die das Prignitzer Dorf für anderthalb Jahrhunderte aus seiner Abgeschiedenheit rissen.

Während die Wilsnacker beim Havelberger Kirchweihfest weilten, steckte der Ritter Heinrich von Bülow den verlassenen Ort in Brand. Einige Tage nach diesem Schurkenstück fand der Wilsnacker Pfarrer Cabbuez beim Aufräumen der Kirchentrümmer drei vom Feuer unversehrte Hostien, die zudem Blutflecken aufwiesen. Schon bald ereigneten sich weitere Wunder und mehrten den Ruhm des Heiligen Blutes. Die Bischöfe von Brandenburg, Havelberg und Lebus, der Erzbischof von Magdeburg, später auch die römische Kurie versprachen den Wilsnackfahrern Ablässe. Aus Deutschland, Böhmen, Ungarn, Polen, Skandinavien, den Niederlanden und anderen Ländern pilgerten die Menschen zum Heiligen Blut, um Hilfe in körperlichen oder seelischen Nöten zu erfahren.

Wilsnack wurde zu einem der wichtigsten Wallfahrtsziele Mitteleuropas.

legende zeichnungen

Wilsnack als Wallfahrtsort

Mit den Pilgern kam der Wohlstand. Das Prignitzer Dorf entwickelte sich zu einer blühenden Wallfahrtsstadt, deren gesamtes Wirtschaftsleben auf den Pilgerverkehr ausgerichtet war. Der Augenzeuge Ludecus überliefert, dass Wilsnack noch im 16. Jahrhundert vorwiegend aus Herbergen und Gasthöfen bestand - eine Infrastruktur, die den Ort des Öfteren zum Schauplatz von Fürsten- und Städtetagen werden ließ. Nicht zuletzt der Verkauf von Pilgerzeichen erbrachte beträchtliche Summen, die in verschiedene Bauprojekte der Havelberger Bischöfe flossen, aber auch den Neubau der niedergebrannten Wilsnacker Kirche finanzierten. Obwohl führende Theologen massive Einwände gegen das "Wunderblut" vorbrachten, überdauerte die Wallfahrt sogar die Reformation. 1552 schließlich übergab Joachim Ellefeld, der erste protestantische Prediger Wilsnacks, die Reste der drei Bluthostien den Flammen.

Weiterführende Links

Pilgerzeichendatenbank